Verpackungsverordnung darf nicht zum Markteintrittshindernis werden
- Biork Author

- vor 2 Tagen
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Nachhaltigkeit ist wichtig. Daran besteht kaum ein Zweifel. Weniger

Verpackungsmüll, mehr Recycling und ein stärkerer Fokus auf Wiederverwendung sind sinnvolle Ziele. Mit der neuen EU-Verpackungsverordnung (PPWR) verfolgt die Europäische Union genau diesen Ansatz.
Doch während über umweltfreundlichere Verpackungen diskutiert wird, gerät ein anderes Problem zunehmend in den Hintergrund: die Bürokratie. Gerade für kleine und mittelständische Onlinehändler könnte die neue Regelung zu einer erheblichen Belastung werden – und damit genau jene Unternehmen treffen, die den europäischen Binnenmarkt eigentlich stärken sollten.
Ein Binnenmarkt mit 27 verschiedenen Regeln?
Die EU wirbt seit Jahrzehnten für den freien Warenverkehr. Ein Händler aus Deutschland sollte seine Produkte genauso unkompliziert nach Frankreich oder Spanien verkaufen können wie innerhalb Deutschlands.
Die Realität sieht jedoch anders aus.
Wer Verpackungen in andere EU-Länder versendet, muss sich häufig weiterhin in den jeweiligen nationalen Systemen zur erweiterten Herstellerverantwortung (EPR) registrieren. Je nach Land kommen unterschiedliche Meldepflichten, Gebühren, Ansprechpartner und teilweise sogar lokale Bevollmächtigte hinzu.
Das bedeutet:
Registrierung in mehreren Ländern
unterschiedliche Fristen
verschiedene Portale
unterschiedliche Gebührenmodelle
Dokumentation in mehreren Sprachen
Von einem einheitlichen Binnenmarkt kann hier kaum die Rede sein.
Die Verpackungsverordnung Bürokratie trifft nicht alle gleich
Ein internationaler Konzern beschäftigt eigene Rechts- und Compliance-Abteilungen. Die zusätzlichen Anforderungen verursachen zwar Aufwand, ändern aber kaum etwas am Geschäftsmodell.
Anders sieht es bei kleinen Unternehmen aus.
Ein Familienbetrieb oder ein Start-up mit wenigen Mitarbeitern muss dieselben Vorgaben erfüllen – unabhängig davon, ob jährlich zehn oder zehntausend Pakete nach Italien verschickt werden.
Die Folge: Fixkosten und Verwaltungsaufwand steigen erheblich, obwohl der eigentliche Umsatz im Ausland oft gering ist.
Nachhaltigkeit darf nicht zum Markteintrittshindernis werden
Die Ziele der PPWR sind grundsätzlich sinnvoll. Verpackungen sollen reduziert, besser recycelt und häufiger wiederverwendet werden.
Doch Nachhaltigkeit verliert an Akzeptanz, wenn sie vor allem durch zusätzliche Bürokratie wahrgenommen wird.
Viele kleinere Händler überlegen bereits heute, einzelne EU-Länder gar nicht mehr zu beliefern. Der Aufwand steht häufig in keinem Verhältnis zum Umsatz.
Am Ende profitieren vor allem grosse Plattformen, die sich die komplexen Prozesse problemlos leisten können.
Weniger Wettbewerb – weniger Auswahl
Wenn kleinere Händler ihre Auslandslieferungen einstellen, hat das auch Folgen für Verbraucher.
Weniger Auswahl.
Weniger Wettbewerb.
Höhere Abhängigkeit von grossen Marktplätzen.
Damit könnte eine Verordnung, die den europäischen Markt nachhaltiger machen soll, unbeabsichtigt dessen Vielfalt einschränken.
Nachhaltigkeit braucht auch praktikable Regeln
Eine funktionierende Kreislaufwirtschaft und weniger Verpackungsmüll sind wichtige Ziele. Ebenso wichtig ist jedoch, dass Unternehmen diese Vorgaben mit vertretbarem Aufwand erfüllen können.
Ein echter europäischer Binnenmarkt sollte nicht nur gemeinsame Umweltziele schaffen, sondern auch einheitliche und einfache Verfahren für deren Umsetzung.
Denn nachhaltige Politik entfaltet ihre Wirkung nur dann, wenn sie Umwelt schützt, Innovation fördert und den Wettbewerb nicht unnötig erschwert.
Fazit
Die neue EU-Verpackungsverordnung verfolgt ein wichtiges Anliegen. Gleichzeitig zeigt sie ein grundlegendes Problem vieler europäischer Regelungen: Gute Absichten führen nicht automatisch zu guten Lösungen.
Wenn Nachhaltigkeit mit immer mehr Bürokratie verbunden wird, geraten gerade kleine Unternehmen unter Druck – obwohl sie oft die innovativsten und nachhaltigsten Produkte entwickeln.
Nachhaltigkeit bedeutet nicht nur bessere Verpackungen. Sie bedeutet auch Rahmenbedingungen, die es Unternehmen ermöglichen, verantwortungsvoll zu wirtschaften, ohne im Verwaltungsaufwand unterzugehen.





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